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Leben in Sydney – Überblick nach einem Jahr

Ja wie die Zeit vergeht. Es ist schon wieder Winter in Sydney und draußen kalte 6°C, da ist man froh Zuhause zu sein und eine Tasse Tee zu trinken. Tee ist aber auch das einzige was wärmt, denn hier gibt es keine Heizung und die Fenster sind nur einfach verglast.

Mit diesen Worten bin ich schon fast beim Thema dieses Posts. Nach einem Jahr in Sydney kann ich euch ohne die rosa Brille vom Leben hier berichten. Grundsätzlich hat sich eine Meinung zu den “6 positiven Aspekten über Sydney“, die ich im letzten Jahr zusammengeschrieben habe, nicht viel geändert, aber nach einem Jahr bin ich doch schlauer, reifer, erfahrener und ich kann doch noch den ein oder anderen Punkt hinzufügen.

Jeder, der mal im Ausland gelebt und gearbeitet hat, hat seine persönlichen Erfahrungen gesammelt und hat seine eigene Meinung zu manchen Punkten gebildet. Hier möchte ich euch vom Leben in Sydney aus meiner Sicht berichten. 

Arbeitsleben in Sydney

Die meiste Zeit des vergangenen Jahres habe ich in Sydney im Büro verbracht. Wie fühlt sich das an? Es ist wahrscheinlich von Firma zu Firma unterschiedlich. Ich bin in einer deutschen Niederlassung, die aus 25 Mitarbeitern besteht, beschäftigt. Meine Arbeitswoche besteht aus 38 Arbeitsstunden und ich habe insgesamt 20 Urlaubstage im Jahr. Die Anzahl der Urlaubstage ist für mich die größte Veränderung, denn ich war 30 Urlaubstage im Jahr gewohnt, dadurch will der Urlaub also immer gut geplant und investiert sein.

Neben den vielen neuen Aufgaben und für mich sehr neuen Arbeitsabläufen, die ich lernen musste, kam auch die Sprache dazu. Ich war nie perfekt in Englisch und musste mich am Anfang sehr auf Sprache und natürlich die Aufgaben gleichzeitig konzentrieren. Nach einem halben Jahr ist es schon viel besser geworden und nun mache ich mir kaum Gedanken um die Sprache und konzentriere mich auf meinen Verantwortungsbereich. Dies sollte aber jedem bewusst sein: Am Anfang arbeitest du mehr und intensiver als dein australische/r Kollege/in. Habt Geduld, wenn ihr am Anfang seid, je mehr Praxis ihr habt, desto besser wird es.

Die Arbeitszeit ist bei uns sehr flexibel. Üblicherweise sind erst ab 11Uhr alle im Büro. Daran habe ich mich sehr schnell gewöhnt und finde es ganz angenehm am Morgen nicht immer hetzen zu müssen. Mein Tag im Büro fängt meistens zwischen 9:30 und 10Uhr an und endet zwischen 18:30 und 19:00 Uhr. Morgens kann man vor der Arbeit Arzttermine wahrnehmen, Einkäufe erledigen oder zum Sport gehen, wobei ich die letzen zwei Punkte immer auf den Abend verlege. Natürlich hat da jeder seine Vorlieben und ich habe Kollegen, die auch schon um 6:30 oder 7:00 Uhr anfangen. Das kann im Sommer ein großer Vorteil sein, den am Morgen ist es noch nicht so heiß und nachmittags kann man den Tag am Strand verbringen.

Was die Zeit angeht, möchte ich noch das Thema Pünktlichkeit ansprechen. An meinem ersten Arbeitstag war ich 10 Minuten zu spät dran. Ich  habe mich auf den Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel verlassen und war sehr gestresst, als ich merkte das hätte ich lieber nicht tun sollen. Im Laufe der ersten Wochen, habe ich gelernt, dass Pünktlichkeit hier nicht sehr groß geschrieben wird. Hat man einen Termin und ist zu früh dran, ist es besser draußen zu warten und nicht reinzugehen. Sucht lieber ein Café auf und verbringt die Zeit dort. Es ist unhöflich zu früh zu erscheinen, seid lieber 5-10 Minuten zu spät. Natürlich gibt es Termine, die ein pünktliches Erscheinen fordern, z. B. Schulungen und Seminare. Falls ein Kunde zu einem Treffen 10-15 Minuter später kommt, sollte man das nicht übel nehmen und da einfach entspannt sein.

Wohnen in Sydney

Am Anfang des Beitrages habe ich es kurz die Wohnsituation im Winter angesprochen. Wie ist es in Sydney zu Wohnen? Ein Wort fasst es am besten zusammen: teuer. In der Nähe des CBDs, den Stränden oder im Inner West zu wohnen hat seinen Preis. Viele meiner Freunde und Kollegen leben in WGs und diese Menschen sind nicht Anfang 20 und studieren noch, nein, sie sind alle über 30, haben feste Jobs/ ein regelmäßiges Einkommen. Die Miete in Sydney ist aber so hoch, dass es sehr kostspielig ist allein zu wohnen. Hier wird der Preis wöchentlich berechnet und dieser fängt für eine schöne, große 2 Zimmer Wohnung bei 500Euro (Kaltmiete die Woche!) an. Wer also alleine wohnen will, wohnt meistens in kleinen Studioapartment in maximal 30qm. Außerhalb des Sydneyinnenstadtbereichs, wird es deutlich günstiger und das all das Geschehen ist natürlich sehr weit weg. Ich persönlich bevorzuge die Nähe zu Stadt und wohne daher momentan im Inner West, 3km vom CBD.

Die Mietverträge werden meistens nur bis zu einem Jahr abgeschloßen. Nach einem Jahr ist oft eine Verlängerung möglich, oder ein Umzug steht an. Dieser ist meistens sehr spontan, denn die inserierten Immobilien sind innerhalb von 1-2 Wochen beziehbar.

Ich wohne in Newtown und in meinem Stadtteil stehen viele alte Reihenhäuser im Viktorianischem Stil. Diese sind das Schmuckstück der Straßen und so ein Häuschen ist mein Traumwohnhaus. Leider werden sie meistens nur als komplettes Haus vermietet, einzelne Wohnungen darin findet man selten. Zu Newtown werde ich aber noch separat einen Beitrag schreiben. Der Stadtteil ist ein Unikat (nicht umsonst haben Coldplay hier das Video zum Song “Sky full of Stars” gedreht). Wenn ihr also ein paar Tage in Sydney seid, ist es auf jeden Fall empfehlenswert hier vorbei zu schauen. Hier findet ihr Parks, Cafés, Vintage- Shops, Bars und sehr gutes Essen.

Freizeit in Sydney

Sydney ist eine große Stadt und hat natürlich viel zu bieten. Am Anfang hatte ich jedes Wochenende eine Erkundungstour. Nach einem halben Jahr habe ich die wichtigesten Plätze gesehen. Es gibt viele Wanderwege an der Küste entlang, man nimmt die Fähre über den Harbour nach Manly, macht einen Tagesausflug zu den Blue Mountains, verbringt einen Tag am Bondi Beach oder in Coggee, besucht Museen, Food Märkte, Ausstellungen, schaut sich ein Theaterstück an oder sogar eine Oper an.

Es gibt hier zahlreiche Cafés und Pubs, aber das Ausgehen ist kostspielig. Insbesondere die alkoholischen Getränke haben ihren hohen Preis. Zum Beispiel kostet ein Glas Wein ca. 9Euro, ein Cocktail ca. 14Euro, ein Bier ca. 7Euro.

Die schönsten Plätze liegen hier aber außerhalb der Stadt. Insbesondere denke ich da an die Northern Beaches (nördlich von Sydney) und an den Royal National Park südlich der Stadt. Um dahin zu kommen ist ein Auto empfehlenswert. Die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht gut und dauert einfach zu lange, aber die Reisezeit lohnt sich. Die Schönheit der Natur entschädigt und es wird einem bewusst an welch einem besonderen Flecken Erde man sich hier befindet.

Was mich immer wieder an Austraien erfreut, ist die Tierwelt. Die Wildtierparks sind wirklich einen Besuch wert. Jedes mal ist es ein Highlight für mich die Kängurus zu füttern, Wombats zu streicheln, Koalas, Echidnas, Tasmanischen Teufel und viele mehr zu sehen. Jedes Mal eine Besonderheit ist es in der Stadt Kakadus zu sichten. Da geht mein Herz auf, dass diese Vögel frei Leben und nicht im Käfig gefangen sind.

Gibt es noch etwas was euch am Leben hier in Sydney interessiert? Habt ihr eventuell schon mal selbst in einem anderen Land gelebt und gearbeitet? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Über Nachrichten würde ich mich freuen!

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8 Comments

  1. Ali Karimi

    Hi Irina,
    Thanks so much for sharing your Sydney experiences. I agree with you on all points.
    Being expatriate for some years now, I’ve also noticed many differences in culture, life style, etc. in every country.
    I’ll also put together my experiences and share with you 🙂
    Cheers,
    Ali

    Reply
    1. Irina Irina Author

      Hi Ali,
      Thanks for your message! Yes, I noticed the culture and life style differences as well, but it’s a separate topic.;) Looking forward hearing about your experiences!
      Irina

      Reply
      1. Ali Karimi

        Hi Irina,

        I wonder if I should be subjective or objective on this topic! If you want to have an objective viewpoint, and look at facts and figures only, then I think there are positives and negatives everywhere. But if you have a subjective viewpoint, then in my opinion, the best place is where you personally are happy and feel good.
        Now would you like me to be subjective or objective when I write about my experiences of living in different places?
        Cheers,
        Ali

        Reply
        1. Irina Irina Author

          Hi Ali,
          Whatever you feel comfortable to share! You have been living in different placed already, so it would be interesting to see your subjective point of you. You can also tell me a little bit of both 🙂
          Cheers,
          Irina

          Reply
          1. Ali Karimi

            Hi Irina,
            I’m glad to share my opinion.
            My homeland, Iran, has some similarities ro Australia, and some other to Germany. It, of course has differences with both countries.
            People in Iran are very welcoming, and communicative. They talk to you and are ready to help you spontaneously. In this sense, Australians are like Iranians. Whereas Germans are less communicative, and everyone seems to be not having time for or interest in other people.
            Societies in Iran and Australia are warmer and friendlier, therefore there is “sense of community” in both countries which is very much missing in Germany.
            Germans are super punctual, in all aspects of life, which is a big advantage, I like it very much because I personally value punctuality. Germans are also business oriented, which is again an advantage when you work in Germany; you do your good job, and you get paid for it.
            There’s much more Sun in Australia and Iran than in Germany which I love. I like German weather between May and end of October, it’s really good, but I hate dark and dull winter days from December through to April, when it’s wet and the sky is gray for days and weeks.
            Dresden, where I am now, has its positives and negatives. Its old town is gorgeous, the river Elbe is beautiful, and it’s near two of my favourite capitals, namely Prague and Berlin. On the flip side, the people here have a special character; either you fit in within them or you don’t, in other words they are not flexible and open to new things. They are rather conservative and they love whatever they have: their life style, their city, etc. So if you are lucky and you also love everything that people here love, then your life will be easy, otherwise you’ll be struggling endlessly…Bigger cities in Germany, like Berlin are much better in this regard; they’re much opener to new people or things in life.
            Another thing which I personally am missing here is the laid back and relaxed attitude of Australians and Iranians. Germans tend to take nearly everything too seriously. This attitude leads to a stressful and hectic life style.
            I like the location of Germany, it’s closer to Iran and many other European countries, especially if you love travelling and seeing different cultures. You drive 2 hours from Dresden, you’ll be in Prague, a city with a totally different culture and language. It’s something I love about Europe.
            German economy is good, its location is good, its weather is OK, public transportation in Germany is lovely, any business is taken seriously which I like very much. But I don’t like German life style and how people treat each other, people are rather stressed out and hectic and unfriendly. Another thing which is miserable in Germany is “service”, service of any kind, such as customer service is not good. Whereas the customer service in Australia is lovely.
            To put my feelings in a nut shell, I’d like to conclude:
            What I’m missing the most in Germany: warm social life, sense of community, friendliness, good food and the Sun and warmer weather. What I like about Germany: its handy location in the centre of Europe, good economy, and good public transport.

            Let me know Irina how much you think/feel the same, and if you feel different at some points.

            Cheers,
            Ali

            p.s. Sorry for any probable misspelling, I did not revise my text, just wrote and postet it 😉

          2. Irina Irina Author

            Hi Ali,
            Thank you so much for sharing your points of view. I think you have pretty much covered them all! I agree with you, that of course weather is so much nicer in Australia than in Germany. We have winter now and only one day of rain every two weeks. On the other days the sun is shining and you always see a blue sky. For people who get a bad mood with weather changes Australia might be the right place to live.
            I know exactly what you mean with sense for community. The Australian people are open and friendly, interested in you, ask you questions, love conversations. Of course, you can’t say it in general, but I had really good experiences here. I’ve made a few good friends here in only one year, what I have never had in Germany.
            You mentioned the point with public transportation. Yes, I am absolutely with you! Germany is so much better and more efficient connected, than cities here in Australia. A train trip can take hours and it is more efficient going by car or plane, what it is a shame I think. Australia is so far away from everything, seeing different cities and countries is hard, but Sydney is so multicultural, so the other cultures are pretty good covered 😀
            Thanks again for sharing your experiences, it is nice to chat with someone who went through similar circumstandes and has pretty much the same view of the main points. 😉
            Cheers,
            Irina 🙂

  2. Ralf

    Sehr interessant und schoen geschrieben. Toll gemacht.
    Vielleicht ueberkommt mich auch mal die Schreibwut. Ich koennte Buecher ueber meine 11 Jahre in China schreiben.
    Beste Gruesse aus Shanghai

    Reply
    1. Irina Irina Author

      Hallo Ralf, Danke dir!
      Auf jeden Fall, wäre es sehr interessant über deine Zeit in China zu lesen. Da sind die kulturellen Unterschiede zu Deutschland noch viel extremer, als in Australien.
      Vielleicht ist es dein nächstes Projekt, wenn du wieder in Deutschland bist? 😉
      Liebe Grüße nach Shanghai!

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